Mit Begeisterung für die «Jung-Eibeler»

| Jonas Baud (Seetaler Bote)

Irene Gattiker engagiert sich leidenschaftlich für die Förderung der Jugend. Sie stammt aus einer «turnverrückten» Familie – schon ihre Eltern waren mit dem Verein stark verbunden. Das alles wissen wir Vereinsmitglieder natürlich bestens - durch das Porträt im «Seetaler Bote», weiss es nun aber spätestens auch das ganze Seetal!

An einem lauwarmen Sommermorgen sitzt Irene Gattiker am Tisch ihres schmucken Gartens vor ihrem Haus in Inwil, nippt an ihrem Kaffee und erzählt mit leuchtenden Augen von ihrem ehrenamtlichen Engagement für den Eibeler Turnverein. «Ich setze mich sehr gerne ein, besonders für den Nachwuchs.» Die 39-jährige Hausfrau und vierfache Mutter arbeitet in einem kleinen Pensum bei der Gemeinde Inwil, dort ist sie verantwortlich für die Miete und Reservation von Räumlichkeiten und Ansprechpartnerin für die
lokalen Vereine. Sie engagiert sich in ihrer Freizeit seit sechs Jahren beim TV Inwil als Technische Leiterin der «Youngsters», also der Jugendabteilung, im Bereich Polysport. «Ich finde es sehr wichtig, dass sich Kinder genug bewegen und damit einen Ausgleich haben zur Schule, und bei uns können sie Sport treiben und Spass haben, ganz ohne Leistungsdruck.» Vor ihrem Amtsantritt kriselte die
Jugendbewegung etwas, wie Gattiker sagt. «Viele Junge im Dorf empfanden es damals nicht mehr als attraktiv, bei uns mitzumachen.» Sie lancierte daher eine grosse Werbekampagne und benannte die «Jugi» um ins modernere «Youngsters». Ausserdem designte sie selbst ein neues Logo mit einer kämpferischen Wildsau. «Man sagt ja, dass es in Inwil mehr Schweine gibt als Einwohner. Daher dieses Symbol», sagt sie und schmunzelt. Die Bemühungen fruchteten – seit sie übernommen hat, sind die Zahlen der angemeldeten
Juniorinnen und Junioren (im Alter von 7 bis 15 Jahren) gestiegen, von 20 auf 120. «Das ist für uns natürlich eine schöne Bestätigung.»
 

Alle Kinder sind bei ihr willkommen
Gattiker ist es sehr wichtig, dass alle mittun dürfen, alle Gesellschaftsschichten, Einheimische und Ausländer. «Sport leistet auch einen wichtigen Beitrag für eine gute Integration.» Manchmal gebe es Kinder, die nicht gut mitmachen würden und ein wenig undiszipliniert seien. «Das ist nicht einfach, dann richtig damit umzugehen. Wenn es nicht besser wird, müssen diese Störenfriede auch mal eine Weile fernbleiben. Diese Pause tut allen Beteiligten gut.» Es kommt daher auch vor, dass Eltern anrufen und sich entschuldigen für das Verhalten ihrer Sprösslinge. Ganz ausgeschlossen vom Verein wurde aber noch niemand. «Bisher gelang es uns immer, das zu vermeiden, denn bei uns soll jedes Kind willkommen sein.» Grundsätzlich spüre sie eine grosse Wertschätzung für ihre Arbeit im Dorf. «Es hat sich noch selten jemand beschwert und es bedanken sich immer wieder Eltern bei mir.» Auch beim TV Inwil ist die Zufriedenheit gross. Vizepräsident Fabian Kreienbühl sagt: «Irene will stets das Beste herausholen für die Kinder, mit ihrer Begeisterungsfähigkeit bringt sie Schwung herein und sie hat viele gute Ideen, wie wir uns verbessern können. Sie ist sehr hilfsbereit und eine grosse Stütze für den Verein.»

Organisatorin und Planerin
Gattikers Aufgaben sind es, das sportliche Programm für den Nachwuchs zusammenzustellen. Sie betreut den Polysport, das bedeutet, es wird über das ganze Jahr gesehen ein vielseitiges Training angeboten, von Handball, Fussball, Unihockey, Basketball bis hin zu Stafettenlauf oder Geräteturnen. Sie sorgt für die nötige Infrastruktur, organisiert Anlässe, Wettkämpfe und Ausflüge. «Ich bin eine Macherin und bin gerne bereit, mir die nötige Zeit dafür zu nehmen, auch wenn das manchmal intensiv werden kann.» Aufgrund der Coronakrise musste seit Frühling 2020 jedoch vieles abgesagt werden, die Planung war erschwert. «Das war schon mühsam, oft habe ich Events vorbereitet, aber die fielen dann ins Wasser. Das Hin und Her war für uns alle eine Belastung.»

«Chefin» ihres Ehemanns
Last but not least stellt sie sicher, dass für die Trainings stets genügend Leiterinnen und Leiter zur Verfügung stehen. «Das ist eine grosse Herausforderung, denn es wird heutzutage immer schwieriger, passende Coaches zu finden. Der Gemeinschaftssinn ist bei vielen Leuten nicht mehr so stark wie früher, man ist freiheitsliebender geworden.» Laut ihrer Beobachtung möchten sich viele in ihrer Freizeit nicht zu sehr an etwas binden. «Besonders die 20- bis 25-Jährigen sind fast nicht mehr für solche Aufgaben zu motivieren.» Für diese Altersgruppe stehe das Weiterkommen in Beruf und Studium im Vordergrund. Fündig wird Gattiker also eher bei Jüngeren
oder dann Älteren oder bei Eltern. «Wichtig ist aber für viele, dass sie dann ausschliesslich das Training leiten und daneben nicht noch mehr leisten sollen.» Daher übernimmt sie das «Rundherum» gleich selber, wie etwa das Administrative und die Planung, damit die Trainer sich nicht damit «herumärgern» müssen. «Ich bin Perfektionistin und will, dass alles rund läuft.» Aktuell sind 22 Leiterinnen und Leiter dabei, darunter auch ihr Ehemann Philippe. «Das ist irgendwie witzig, dass ich im Verein ‹Chefin› meines Mannes bin. Aber das nehmen wir mit Humor.» Gattiker sucht momentan noch ein, zwei weitere Leute für Leitungsaufgaben, um genügend Auswahl zu haben und damit niemand zu sehr gefordert wird. Das Vereinsleben und das Pflegender Kollegialität ist für Gattiker ebenfalls essenziell; sie macht jeden Donnerstag Aerobic, um sich fit zu halten. «Danach gehen wir gerne zusammen etwas trinken.» Auch die Zusammenarbeit
mit dem Vorstand des Vereins empfindet sie als angenehm. Pro Jahr finden vier bis fünf Sitzungen statt. Gattiker bringt auch gerne neue Ideen und Anregungen ein beim Verein, so brachte sie etwa den Vorschlag, eine Tanzschule einzurichten. «In der näheren Region gibt es so etwas nicht, und als ich das mal angeboten habe für die Kids, merkte ich, dass die Begeisterung fürs Tanzen gross war.» Doch mangels geeigneter Leitungspersonen sei das Projekt bisher noch nicht umgesetzt worden.

Ihr Vater war «Leitwolf» des Vereins
Gattiker ist in Inwil aufgewachsen undschon ihr ganzes Leben stark mit demTurnverein verbunden – wie auch ihreganze Familie. «Wir sind alle ein wenigturnverrückt», sagt sie mit einem Lächeln, auch ihre Schwägerin ist im Vorstand. Ihre Eltern waren beide sehr
engagiert bei den Eibelern. Ihre Mutter war Präsidentin der Damenriege, und ihr Vater Paul Buchmann war für den Verein eine besonders prägende Figur. «Er hat den TVI gross und erfolgreich gemacht und sich mit seiner ganzen Leidenschaft für ihn eingesetzt.» Nach 50 Jahren Engagement hat sich Paul Buchmann kürzlich altershalber zurückgezogen. «Er fehlt uns schon, denn er war unser Leitwolf und hat immer dafür gesorgt, dass sich alle Mitglieder wohlfühlen. Er war ein Chrampfer und sich für nichts zu schade.» Unter der Führung von Buchmann, er war Sportcoach und Leiter, wurde der «kleine» TV Inwil zur Leichtathletik-Hochburg, und die Athleten des Vereins verpassten nur knapp den Aufstieg in die höchste Schweizer Liga – und an den nationalen Wettbewerben holten seine Schützlinge immer wieder Medaillen. Der Verein führte in seiner Zeit auch Anlässe durch wie etwa die Cross-Schweizermeisterschaften 1994 und 2005. Mittlerweile backt der Verein aber wieder kleinere Brötchen, die Zeiten von schweizweiter Bekanntheit sind vorbei und man konzentriert sich nun vermehrt auf die Nachwuchsförderung. «Um ganz vorne mitzumischen, braucht es den unermüdlichen Einsatz von charismatischen Persönlichkeiten wie ihn, denn er hat alle mitgerissen und zu Höchstleistungen motiviert. So
jemanden zu finden, ist aber nicht möglich, oder nur mit sehr viel Glück. Für meinen Vater gibt es keinen Ersatz», sagt seine Tochter.

«Zepter» geht bald in andere Hände
Seit ihrer frühesten Kindheit ist Irene Gattiker aktiv bei den Eibeler Turnern – zuerst als Leichtathletin. «Hürdenlauf
war meine Lieblingsdisziplin». Mit 16 Jahren hörte sie aber auf, als sie ihre Lehre als Arztgehilfin begann. «Ich war sportlich nicht so ehrgeizig damals.» Sie übernahm danach aber die Leitung der Leichtathletik-Trainings für die Kleinsten. «Das machte mir sehr viel Freude, den Jüngsten etwas beizubringen und ihnen zu helfen, sich zu verbessern.» Mit 21 Jahren unternahm sie dann mit ihrem Mann eine längere Reise durch Südamerika und unterbrach daher ihre Vereinstätigkeit. Nach der Rückkehr nahm sie diese wieder auf. «Ich war dann etwa acht Jahre lang Kassierin.» Und da ihr die Jugend sehr am Herzen liegt, wurde sie danach Technische Leiterin der «Youngsters». Auch diese Rolle will Gattiker jedoch nach der nächsten GV im November ablegen. «Es ist wieder Zeit, dass jemand anderes das Steuer übernimmt.» Für ihre Nachfolge hat sie schon zwei geeignete Personen gefunden. Ob und wie sie sich selbst weiterhin für den Verein engagieren will, lässt sie momentan noch offen. «Wahrscheinlich werde ich aber wieder eine andere Aufgabe übernehmen, wenn ich das innere Feuer dafür spüre.»

 

Danke:
An Jonas Baud und an den «Seetaler Bote» für das wunderbare Porträt von Irene. Und danke auch Irene - für deinen riesigen Einsatz über all die Jahre!

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